WEGE IN DIE WESENSTIEFE

Sich selbst begreifen 

Aufbruch zur eigenen Wesensmitte

 

Dieses Seminar beschäftigt sich mit der engsten Beziehung, die ein Mensch eingehen kann: mit der Beziehung zu sich selbst. Warum ist es so wichtig, sich selbst zu begreifen? Weil wir erst durch das Hineinblicken in unsere Innenwelt erfahren, welchen Reichtum ein jeder in sich trägt, der ihn zu einem bisher unbekannten Daseinsverständnis und unerwarteten Lebensgefühl befähigt. Doch vor diesem neuen Beisichsein warten zunächst Hindernisse auf uns, die eine besondere Selbstwahrnehmung einfordern. Am Ende seines berühmten Werkes „Haben oder Sein“ gibt der Psychoanalytiker Erich Fromm (1900 – 1980) dem „neuen Menschen“ vier Empfehlungen, die seine Überzeugung vom Wandel in der menschlichen Persönlichkeit begründen. Er schreibt: „Ich bin überzeugt, daß sich der menschliche Charakter in der Tat ändern kann, wenn die folgenden Voraussetzungen gegeben sind:

  • Wir leiden und sind uns dessen bewußt.
  • Wir haben die Ursache unseres Unbehagens erkannt.
  • Wir sehen eine Möglichkeit, unser Unbehagen zu überwinden.
  • Wir sehen ein, daß wir uns bestimmte Verhaltensnormen zu eigen machen und unsere gegenwärtige Lebenspraxis ändern müssen, um unser Unbehagen zu überwinden.“

Der Mensch der Gegenwart leidet an Unbehagen, weil er sich an Vieles gebunden fühlt, das sein Lebensalltag ihm präsentiert. Diese Bindung gar kann zu einer Umklammerung führen, die den Einzelnen seiner inneren Freiheit beraubt. Umklammert zu sein, heißt oftmals, abhängig zu sein; Abhängigkeit ist daher die negative Form, die Schattenseite der Bindung. Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986) beschreibt eine Form der Abhängigkeit so: „Wir wünschen uns ständig das Vergnügen der Erfüllung und möchten, daß dieses Vergnügen nie zu Ende geht. Das Ende des Vergnügens bedeutet Frustration, und Frustration bedeutet Schmerz. Also suchen wir wieder nach neuen Möglichkeiten der Erfüllung und werden wieder frustriert. Diese Frustration ist die Strömung des ´Ich-Bewußtseins`, die gleichbedeutend ist mit Isolation, Trennung und Einsamkeit.“

Die reflektierende Beschäftigung hingegen mit der eigenen Persönlichkeit zeichnet den seelisch reifen Menschen aus. Dies ist deshalb so, weil mit dem Hineinschauen in das eigene Wesensinnere bereits ein Teil der Angst vor der Selbstbegegnung überwunden ist. Es ist gewiss seelisch anstrengend, sich auf den inneren Kreuzweg zu begeben und dabei mancher biographischen Ruine zu begegnen. Es bleibt uns jedoch kaum erspart, einige der verdrängten Lebensbilder zu entstauben, wenn wir zu unserer Wesensmitte gelangen wollen. Manche dieser gewonnenen Einsichten verhilft sogar zu einer Neubewertung des Vergangenen. „Richtiges Handeln hat etwas mit Einsicht, verkehrtes Handeln mit Verblendung zu tun“, sagt der Philosoph Robert Spaemann.

Aus der psychoanalytischen Arbeit wissen wir, dass verdrängte Inhalte nur schwer und ungern in das Bewusstsein gelassen werden. Und dennoch ist das Erinnertwerden an ungeliebte Verhaltensweisen – bei aller schmerzlichen Selbsterfahrung – hilfreich, weil es den Einzelnen zu einem kreativen Aufbruch drängen kann. Erst das Wissen um uns selbst lässt uns zu einer souveränen Persönlichkeit heranreifen. So profan die Erkenntnis auch klingen mag, so wichtig ist sie für das alltägliche Miteinander:

Wer sich selbst begriffen hat, versteht auch den Anderen!

Wenn unser Leben als individuell erfahrbarer harmonischer Raum – gemeinhin als Wohlfühlen bezeichnet – gelingen soll, sind Selbstbegreifen und Selbstbeobachten geradezu immerwährende Pflichtübungen. Weil unser Leben reflexiv geprägt ist, zwingt es uns, die selbstformenden Anteile, das Triebleben, in unserer Persönlichkeit stets im Auge zu behalten.

Woran ist nun erkennbar, dass ein Mensch nicht in seiner Wesensmitte lebt, dass er sein Selbstbegreifen verfehlt hat und unter sich selbst leidet? Die wichtigsten Merkmale seien hier aufgeführt:

  • Permanente Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit in der Lebensführung
  • Selektion des Negativen bei der Betrachtung von Lebensereignissen
  • Aufrechterhaltung von Vorurteilen und sozialer Distanz
  • Gereiztheit und Wut als seelische Grundstimmungen
  • Unrealistische Wunschvorstellungen
  • Verdrängung und Rationalisierung von Konfliktinhalten (Fremdsteuerung, Fehlende Selbstbehauptung, Lebenslügen)
  • Maß- und grenzenlose Lebensführung
  • Grundlose Ängste (Schwere Krankheiten, Sterbe- und Todesängste)
  • Kultivierung narzisstischen Gebarens (Hochmut, Geltungsdrang, Selbstgefälligkeit)
  • Destruktive Aggression ( Verbale Verletzung des Mitmenschen, Suizidale Tendenzen)
  • Depressive Lebensstimmung und Vereinsamung, Empathieverlust
  • Negative Handlungsmotive (Neid, Geiz, Eifersucht)
  • Geistige Desorientierung (Fanatismus, Intoleranz)

All diese Symptome sind Ausdruck eines Unbehagens, das zur Veränderung im Lebenskonzept des Einzelnen drängt.

Der Dichter Theodor Fontane (1819 – 1898) sagte ein psychotherapeutisch fundamentales Wort: „Das aber sei dein Heiligtum: Vor dir bestehen können.“
Wie also steht es mit der Selbstehrlichkeit und dem offenen Blick in den Gewissensspiegel?
Um zum Selbstbegreifen zu gelangen, ist der Wunsch nach Selbsterkenntnis unabdingbar. Es ist der selbstkritische Blick, der uns befähigt, die Ursachen für manche Verirrung unserer Persönlichkeit aufzuspüren. Allein schon das Wissen um die eigene seelische Unzulänglichkeit bereitet den Weg zu einer möglichen Umkehr vor. Denn noch immer gilt in der Persönlichkeitsentwicklung die Maxime:

Ein Mensch kann nur ändern, was ihm bewusst geworden ist.

Daher sind psychische Erschütterungen, sind Unbehagen und Betroffenheit notwendig, um „Wendepunkte im Lebenslauf“ (Jürg Willi) herbeizuführen.
Um zu einem harmonischen Selbstbezug zu gelangen und sich der Wesensmitte anzunähern, seien einige Hinweise angeboten:

  • Längere Zeit Abstand nehmen von hektischem Treiben
  • Sich selbst Disziplin und Grenzen auferlegen
  • Verantwortungsbewusstsein entwickeln
  • Achtsam und streng beobachtend mit sich selbst umgehen 
  • Kontemplative Versenkung in sein Inneres erlernen
  • Phasen der Ruhe und Stille in den Tagesablauf integrieren
  • Die Konditionierung durchbrechen, zu sich selbst stehen und den eigenen Weg gehen -
  • Wahre Demut und Bescheidenheit empfinden
  • Der inneren Eingebung folgen
  • Sich von einem vertrauenswürdigen Gesprächspartner begleiten lassen

In mehreren persönlichen Einzelgesprächen mit dem Seminarleiter werden all jene Themen beleuchtet, die dem seelischen Wohlergehen der Teilnehmenden dienen.

 

 

SeminarleiterProf. Dr. Baldur Kirchner
Seminardauer3 Tage + Vorabend
Teilnehmerzahlmax. 6 Personen
Preis900,- € zzgl. MwSt.
Termine 201914. - 16.02.
27. - 29.06.
26. - 28.08.
10. - 12.10.